Image

Kerstin Uvnäs Moberg


Kerstin ist eine Pionierin in der Erforschung von Oxytocin, dem Wohlfühlhormon, und gehört zu den Ersten, die betonen, welche soziologischen und physiologischen Effekte das Hormon während der Schwangerschaft, in der Stillzeit sowie der Menopause hat.

Im Rahmen ihrer Forschungen hat Kerstin Uvnäs Moberg unter anderem herausgefunden, dass Oxytocin Schmerzen und Unruhe lindert, den Blutdruck senkt und die Menge an Stresshormonen bei beiden Geschlechtern reduziert.

Kerstin Uvnäs Moberg gehörte auch zu den Vorreitern in der Forschung der Rolle von Oxytocin bei der Interaktion zwischen Eltern und Kind sowie bei anderen Beziehungstypen, inklusive der Beziehung zwischen Mensch und Tier.

Heute ist Kerstin Uvnäs Moberg eine beliebte Rednerin, die Redeaufträge aus aller Welt erhält. Sie hat eine Reihe wissenschaftlicher Artikel und Bücher über Oxytocin geschrieben, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden.

Fragen und Antworten zum Wohlfühlhormon

Was ist ein Wohlfühlhormon?

– Das Wohlfühlhormon ist ein kleines Protein, ein Polypeptid, das aus neun Aminosäuren besteht.

Wo werden Wohlfühlhormone gebildet?

– Wohlfühlhormone werden vor allem in zwei großen Zellansammlungen im Hypothalamus gebildet, nämlich in den Kerngebieten Nucleus supraopticus und Nucleus paraventricularis. Von diesen beiden Zellkernen aus verlaufen Nervenbahnen bis in den Hinterlappen der Hypophyse, wo das Wohlfühlhormon ins Blut freigesetzt wird. Andere vom paraventrikulären Kern ausgehende Nerven verlaufen zu verschiedenen Regulationsbereichen des Gehirns.

Wie wirken Wohlfühlhormone?

– Wohlfühlhormone entfalten ihre Wirkung, indem sie sich mit speziellen Wohlfühlhormon-Rezeptoren verbinden, die sich in verschiedenen Zellarten im Körper und im Gehirn befinden. Wenn ein Wohlfühlhormon bei einem der in der Zellmembran befindlichen Wohlfühlhormon-Rezeptoren andockt, werden in der Zelle verschiedene Funktionen aktiviert.

Wie wird das Wohlfühlhormon aus dem supraoptischen und dem paraventrikulären Kern freigesetzt?

– Die Freisetzung von Wohlfühlhormonen wird in erster Linie durch Stimulation verschiedener Nerven, beispielsweise in der Gebärmutter, den Brüsten, dem Magen-Darm-Trakt und der Haut, hervorgerufen. Angenehme und behagliche Düfte, Seheindrücke oder Geräusche können ebenfalls die Freisetzung von Wohlfühlhormonen verursachen. Auch mentale Erlebnisse und positive Gedanken können die Wohlfühlhormonmenge erhöhen.

Bestimmte Hormone, zum Beispiel Estrogene, erhöhen die Wohlfühlhormonfreisetzung und mitunter auch die Bindung der Wohlfühlhormone an deren Rezeptoren.

Wie entfaltet ein Wohlfühlhormon seine Wirkung?

– Wohlfühlhormone zirkulieren im Blut und sind daher ein Hormon. Wenn Wohlfühlhormone durch die Nerven im Gehirn freigesetzt werden, funktionieren sie als Botenstoff, und wenn sie durch Zellen im Körpergewebe freigesetzt werden, rufen sie lokale oder parakrine Effekte hervor.

Welche Wirkung haben Wohlfühlhormone?

– Wohlfühlhormone wirken auf viele verschiedene Weisen. Welche Wirkungsweise jeweils zum Vorschein kommt, hängt von den inneren und äußeren Umständen ab.

Wohlfühlhormone bewirken die Kontraktion der glatten Muskulatur, was beispielsweise den Milcheinschuss hervorrufen kann oder das Zusammenziehen der Gebärmutter beim Geburtsvorgang herbeiführt.

Wohlfühlhormone stimulieren im Prinzip sämtliche Arten sozialer Interaktion (beispielsweise die Mutterliebe).

Abhängig von den beteiligten Individuen und der Situation werden verschiedene Typen von Interaktionen/Verhaltensweisen stimuliert.

  • Wohlfühlhormone sorgen für eine Bindung zwischen Individuen, besonders zwischen Mutter und Kind, aber auch zwischen Erwachsenen.
  • Wohlfühlhormone lindern Unruhe und beruhigen.
  • Wohlfühlhormone lindern Schmerzen und wirken entzündungshemmend
  • Wohlfühlhormone lindern Stress.
  • Wohlfühlhormone fördern Heilung und Wachstum.

Wie werden Wohlfühlhormone von akutem Stress beeinflusst?

– In Situationen, in denen sich ein Individuum bedroht oder in Gefahr fühlt, kann die oben beschriebene Wirkung von Wohlfühlhormonen ins Gegenteil umschlagen, d. h. das Individuum verteidigt sich und wird aggressiv, anstatt freundlich zu interagieren, und der Stresspegel steigt.

Wie werden Wohlfühlhormone von langanhaltendem Stress beeinflusst?

– Langanhaltender Stress sowie Schmerzen führen fast immer zu einer Reduzierung der Wohlfühlhormonfreisetzung und zu verminderten Wohlfühlhormoneffekten.

Wie wird die Wohlfühlhormonfreisetzung durch die Haut aktiviert?

– Die Freisetzung von Wohlfühlhormonen findet als Folge der Aktivierung verschiedener Sinnesnerven der Haut statt. Leichtes Streicheln kann eine Untervariante der nicht-myelinisierten C-Fasern, die sogenannten CT-Fasern, aktivieren, die mit der Empfindung von Wohlbefinden in Verbindung stehen.

Auch kräftigeres Streicheln und sogar statischer Druck können die Wohlfühlhormonfreisetzung aktivieren. Bei dieser Art von Stimulation treten die beruhigenden, stresshemmenden und heilenden Effekte der Wohlfühlhormone deutlicher hervor. Diese Effekte werden höchstwahrscheinlich über dickere, myelinisierte Nerven vermittelt.

Wohlfühlhormone können auch freigesetzt werden, wenn Sinnesnerven der Haut durch leichten bis mittelstarken statischen Druck auf die Haut aktiviert werden, wie beispielsweise beim Haut-zu-Haut-Kontakt zwischen Mutter und Kind nach der Entbindung. Es wird angenommen, dass durch denselben Mechanismus auch Gewichtsdecken für eine Freisetzung von Wohlfühlhormonen sorgen.

Enthält die Haut Wohlfühlhormone?

– Wohlfühlhormone können von bestimmten Zellen in der Haut gebildet werden und können möglicherweise zu den Effekten beitragen, die durch Berührung ausgelöst werden.

Wie wirken sich Wohlfühlhormone im Gehirn aus?

– Im Gehirn entfalten Wohlfühlhormone ihre Wirkung, indem sie verschiedene Funktionen in wichtigen Regulationsbereichen beeinflussen, z. B. indem sie auf die Aktivitäten im Belohnungszentrum des Gehirns, in der Stressachse und im vegetativen Nervensystem einwirken.

Dies geht vonstatten, indem die Aktivitäten anderer bekannter Botenstoffe, wie Noradrenalin (NA), Dopamin (DA), Serotonin (5-Ht) und Acetylcholin (ACh), beeinflusst werden.

 

 

 

Welchen Beitrag leisten Wohlfühlhormone bei der Entbindung?

– Wohlfühlhormone stimulieren die Kontraktionen der Gebärmutter, aber lindern auch die Schmerzen sowohl bei der Mutter als auch dem Kind während der Entbindung. Die Wirkung kann lange anhaltend sein.

Hat der Fötus auch Wohlfühlhormone?

– Föten bilden eigene Wohlfühlhormone, welche vermutlich während der Geburt ähnliche Wirkungen entfalten wie die der Mutter. Unter anderem schützen sie den Fötus/das Baby vor schädlichen Folgen einer Sauerstoffunterversorgung.

Was bewirken Wohlfühlhormone nach der Entbindung?

– Wohlfühlhormone werden bei Mutter und Kind durch Haut-zu-Haut-Kontakt freigesetzt, was unter anderem die sozialen Fähigkeiten positiv beeinflusst, sowie beruhigend und stresshemmend wirkt.

Was bewirken Wohlfühlhormone im Rahmen des Stillens?

– Wohlfühlhormone werden freigesetzt und sorgen dafür, dass die Milch einschießt, aber sie stimulieren auch die eigentliche Milchproduktion, wirken beruhigend auf die Mutter und erhöhen ihre soziale Kompetenz.

Haben Männer Wohlfühlhormone?

– Männer haben im Prinzip genauso viele Wohlfühlhormone wie Frauen, und auch die Wirkung ist im Prinzip dieselbe, d. h. sie erhöhen die sozialen Fähigkeiten, beruhigen und reduzieren Stress.

Verändert sich das Wohlfühlhormon mit dem Alter?

– Alle haben Wohlfühlhormone, aber bei Älteren sinkt die Menge, wenn die Produktion nicht durch Nähe und Berührung aufrechterhalten wird.

Variiert der Wohlfühlhormonspiegel zwischen verschiedenen Menschen?

– Ja, es gibt Menschen mit höheren und niedrigeren Wohlfühlhormonspiegeln.

Wie kommt es zu Unterschieden im Wohlfühlhormonspiegel bei verschiedenen Menschen?

– Die genauen Gründe sind nicht bekannt, aber vermutlich spielen genetische Faktoren eine Rolle, da der Wohlfühlhormonspiegel eines Individuums dazu tendiert, über einen sehr langen Zeitraum auf dem ungefähr gleichen Niveau zu liegen. Möglicherweise erhöht sich auch der Oxytoncinspiegel bei Menschen, die unter günstigen Umständen aufgewachsen sind.

Finden Wohlfühlhormone aktuell klinische Verwendung?

– Wohlfühlhormone werden bei Entbindungen als Infusion verabreicht, um den Geburtsvorgang zu beschleunigen, und nach der Entbindung, um das Zusammenziehen der Gebärmutter zu begünstigen und Blutungen zu verhindern.

Die Freisetzung von Wohlfühlhormonen mitsamt ihrer Wirkung wird ferner bei verschiedenen Formen der Berührungstherapie hervorgerufen, aber auch bei der Interaktion zwischen Mensch und Tier, insbesondere mit Hunden.